Wenn der Schein hunderter Fackeln die Nacht erhellt, dann ist Biike-Zeit auf Sylt. Am Samstag, den 21. Februar 2026, bot sich in den Norddörfern ein besonders beeindruckendes Bild: Ein leuchtender Strom von FackelträgerInnen zog pünktlich ab 18:00 Uhr von der Friesenkirche in Wenningstedt los. Das Ziel: Der traditionelle Biikeplatz am Golfplatz, den sich Kampen und Wenningstedt-Braderup teilen.
In diesem Jahr war der Andrang gefühlt noch größer als in den Vorjahren. Sicherlich spielte der Kalender eine Rolle, da der 21. Februar auf ein Wochenende fiel, doch man spürte auch: Die Sehnsucht der Menschen nach einem gemeinsamen Abschied von den strengen Winterwochen war nach diesem Januar besonders groß.
Zwischen Tradition und „Stop-and-Go“
Die Biike in den Norddörfern ist ein echtes Magnet. Aus drei Richtungen – Braderup, Wenningstedt und Kampen – strömten die Besucher zum Feuer. Das sorgte zeitweise für einen kleinen „Stop-and-Go-Verkehr“ auf den Zuwegen, was der harmonischen Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Die erfahrenen Biikegänger waren bestens vorbereitet: In alter, warmer Kleidung, festem Schuhwerk und mit dem obligatorischen Punsch in der Hand wurde gewartet, bis der große Haufen endlich entzündet wurde. Denn auf Sylt weiß man: Eine Biike endet erst, wenn die Puppe oder der Baum gefallen ist.
Klare Worte von Kampens Bürgermeisterin
Neben dem Spektakel bot die Biike auch in diesem Jahr Raum für „Tacheles“. Steffi Böhm, Bürgermeisterin von Kampen, nutzte ihre Ansprache für ein Lob an die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Sylt. Die Kooperation sei mittlerweile spürbar vertrauensvoll gewachsen. Hoffnungsvoll zeigte sich Böhm auch bei schwierigen Themen wie der nicht genehmigten Vermietung von Ferienappartements – hier setze man auf zukünftige gemeinsame Lösungen.
Ein Gänsehautmoment auf Friesisch
Einer der bewegendsten Momente war die feierliche Freigabe der Biike auf Friesisch. Begleitet von den Klängen des Norddörfer Musikvereins, der die Sylter Hymne „Üüs Söl’ring Lön’“ intonierte, entfachten hunderte Fackeln auf Kommando das Feuer. Dank der schwachen Brise brannte die Norddörfer Biike schnell lichterloh und die selbstgebastelte Puppe wurde unter dem Staunen der Zuschauer rasch von den Flammen erfasst.
Während es viele Gäste im Anschluss zum traditionellen Grünkohlessen in die Gaststuben zog, blieben die Insulaner noch lange am Feuer stehen. Es war Zeit für den „Klönschnack“, den Austausch und die Gemeinschaft. Ein rundum gelungener Abend, der zeigt, wie lebendig das Brauchtum in Kampen und den Norddörfern ist. Schön war’s!