Drei Wochen nach dem Sturz des Betonvordachs am Haus Atlantic in der Dr.-Nicolas-Straße in Westerland hat ein Gutachten die Ursache eindeutig geklärt. Das Ergebnis überrascht: Die Schwachstelle lag nicht in der Fassadensanierung von 2023, sondern war von Beginn an in der Konstruktion angelegt.

Was in der Einkaufsstraße geschah

An einem Sommerabend in der Hochsaison ließ ein lauter Knall die Dr.-Nicolas-Straße aufhorchen. Das massige Betonvordach des Haus Atlantic – direkt gegenüber der Sylter Welle – hatte sich von der Hauswand gelöst und war auf Bürgersteig und Geschäftsbereich herabgestürzt. Schaufenster zerbarsten, Eingänge wurden blockiert. Glücklicherweise gab es keine Verletzten.

Ein Baufehler – jahrzehntelang unentdeckt

Laut Geschäftsführer Ulrich Meier-Trieps der Immobilien & Verwaltungs GmbH Kiel hat ein Sachverständiger festgestellt: Das Problem steckte in der Bewehrung – dem Stahlgerippe im Beton. Diese war von Anfang an unterdimensioniert. Im Laufe der Jahrzehnte kamen neue Dachschichten und ein Gefälleestrich dazu, das Gewicht stieg stetig – bis die Stahleinlagen schließlich versagten.

Feuchtigkeit: kein Auslöser

Eine Fassadensanierung 2023 hatte Regenwasser ins Mauerwerk eindringen lassen – ein bekannter Schaden, geplant für 2026. Den Einsturz hat dieser Feuchtigkeitsschaden laut Gutachter jedoch nicht ausgelöst. Die mangelnde Bewehrung war niemandem bekannt, so das Fazit.

Sofortmaßnahmen in der Einsturznacht

Noch am Abend des Einsturzes alarmierte der Hausmeister die Verantwortlichen. Beide Geschäftsführer fuhren sofort von Kiel los und trafen gegen 22:30 Uhr in Westerland ein. Die Eigentümer wurden unterwegs informiert, die Polizei eingeschaltet und ein Sicherheitsdienst für die betroffenen Geschäfte organisiert.

Was als nächstes passiert

Statiker und Gutachter bestätigen: Das Gebäude ist strukturell stabil. Das verbliebene Vordachstück wird gesichert und kontrolliert abgetragen. Die Eigentümergemeinschaft diskutiert über die Zukunft – ein neues Vordach ist in Planung, ein vollständiger Verzicht steht ebenfalls zur Debatte. Für die Händler in der Dr.-Nicolas-Straße bleibt die Lage belastend: Sie zahlen den Preis für einen Baufehler, der jahrzehntelang verborgen blieb.

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